Götzentempel 28.06.2009

Heute gehörte etwas Mut dazu, sich morgens an der Brücke sehen zu lassen. Der bedeckte Himmel sah nicht gerade einladend aus. Aber da sich alle Vorhersagen einig waren, daß es ein schöner Tag werden sollte, wagten wir uns dann doch auf die Piste.

Mit dabei waren heute Bianca, Jacky und Jens, Yvonne, André, Christian, Jürgen, Matthias, Olli, Steffen, Werner und meiner Einer.



Nach Kaffee und Brötchen ging es erst einmal über die Autobahn aus der Stadt hinaus. Bei Dreewitz verließen wir den Asphaltbügel wieder und kurvten über Nudow, Gröben, Grossbeuthen, Thyrow und Märkisch-Wilmersdorf gen Süd-Osten.

Hinter Schünow kamen wir auf den ersten Plattenweg dieser Tour, dem sich ein Asphaltband und wieder eine zweispurige Trecker-Autobahn anschloss. Zeit für eine erste Erholungspause von dem Rüttelband.



Weiter über Paplitz, Kemlitz und Glienig ging es weiter auf Nebenstrecken durch das Dahmetal. Ein kurzes Bundesstrassen-Intermezzo führte uns vorbei an der Siedlung Falkenberg (eine der ältesten Orte der Mark Brandenburg mit erster Erwähnung von 1207), wo wir auch gleich wieder auf ein schmales Asphaltband abdrehten. Dieser Weg, der noch in keinem Navi-System verzeichnet ist, führte uns vorbei an den "Höllenbergen" und dem "Höllberghof". Wir warfen nur im Vorbeifahren einen Blick auf dieses Freilichtmuseum. Der Hof ist ein nach einem 200 Jahre alten Muster nachgebildeter funktionstüchtiger Bauernhof, auf dem man Einblick in die Arbeits- und Lebensweise der vergangenen Jahrhunderte nehmen kann.

Wir wollten aber noch weiter in die Vergangenheit reisen. Deshalb ging es flott weiter über Waltersdorf und Gehren nach Walddrehna, wo wir unser heutiges Ziel erreichten. Von dieser Kirche,



die selbst auf das 13. Jahrhundert datiert wird, heißt es, dass sie auf den Resten eines viel älteren ehemaligen heidnischen Götzentempels errichtet wurde. Davon zeugen die Säulen des offenen Vorbaus, die unten rund beginnen und oben eckig fortgeführt wurden.





Die früheren Herren des Landes, der Slawen-Stamm der Lusizi (nach denen die "Lausitz" benannt ist), dürften hier wohl einige weniger appetitliche Rituale durchgeführt haben. Allerdings muß man dazu sagen, dass diese Auffassung unter Archäologen und Historikern nicht ganz unumstritten ist.

Nach kurzer Rast



wollten wir uns aber viel appetitlicheren Angelegenheiten zuwenden und düsten über Weissack und Gahro nach Fürstlich Drehna, wo wir im historischen Gasthof "Zum Hirsch" direkt am dortigen Wasserschloß einkehrten.



Die Stube (bzw. der Garten) war gut gefüllt und zunächst war nur ein Tisch frei, der für uns nicht reichte. Deshalb wurden die anderen erst einmal am Kindertisch geparkt. ;-)



Aber kurz danach konnten auch diese Drei an einem Tisch für "Große" Platz nehmen.

Der freundliche Ober empfahl uns unter anderem ein Gericht, das für einige Rätsel sorgte: was ist wohl ein "Tilapia"? Dank Wikipedia hier die Auflösung: was Bianca und ich dort verspeisten ist ein Fisch aus der Familie der Buntbarsche. So sieht der Kerl vor dem Braten aus:



Als ob es so gewollt gewesen wäre, passte das Vieh auch zur heutigen Tour: weil er ursprünglich nur in Afrika und am Jordan vorkam, wurde er früher auch "Petrus-Fisch" genannt. Na, was will man mehr. ;-)

Gesättigt ging es dann auf den Heimweg. Entgegen der Planung konnten wir nicht durch das renaturierte Braunkohlerevier fahren. Die Strecken waren verboten worden, weil sich neue Verwerfungen im Untergrund ergeben hatten, die das Befahren der Straßen gefährlich machen würde. Deshalb nahmen wir einen kleinen Umweg in Kauf und streiften das Gebiet nur an seinem Rand.

Über kleine Wege schlängelten wir uns durch die Gegend.







Wir fuhren über Mallenchen, Schlabendorf, Garrenchen, Frankendorf und Freesdorf, bevor wir den "Kranichturm" passierten, der Erinnerungen an die nicht vorhandenen Kraniche aufkommen ließ. Westlich vorbei an Luckau ging es weiter über Wierigsdorf, Zieckau, Landwehr, Golssen, Steinreich und zum zweiten Mal durch Damsdorf, das wir diesmal westlich durchfuhren. Diese märkischen Namensgebungen sind jedesmal ein phonetischer Genuß, oder?

Das Baruther Urstromtal kreuzten wir jetzt über Petkus, Liepe und Dümde. Zwischendurch ein weiterer Halt.



In Luckenwalde besorgten wir uns den Stoff, der uns nach Hause tragen sollte.



Danach ging es noch ein Stück durch die Stadt,





bevor wir nach Berkenbrück und Hennickendorf unseren Kaffeestopp in Dobbrikow ansteuerten. Erwartungsgemäß, weil sich das Wetter bisher gehalten hatte, war die Scheune gut besucht.





Nach dem üblichen Apfel-Walnuss-mit-und-ohne-Sahne und dem zugehörigen Pott Kaffee, Milchkaffee mit oder ohne Selters machten wir uns auf die Schlußetappe. Ohne den Schönheitsschnörkel über Blankensee ging es auf direktem Weg über Rieben, Zauchwitz, Stücken, Fresdorf, Tremmen, Saarmund und Philippsthal zurück zur Autobahn.





Die A115 führte uns zügig





und spaßig



zurück zur



und damit zum Startpunkt, der Spinnerbrücke.



Nach 283 Kilometern, die durchweg trocken blieben, ging wieder eine schöne Tour zu Ende. Wie ließen den Tag noch einmal Revue passieren (Blitzer, LKW-Unfall, Mopped-Unfall, etc.) und ließen ihn dann ausklingen.

Bis zum nächsten Mal!

Gruß Ron