Butterhexen 14.06.2009

Diese Saison scheint ja ein einziges Weglaufen vor dem bösen Wetter zu werden. Der sich aus Westen nähernden Regenfront sind wir erfolgreich davongespurtet, so daß wir abends an der Brücke auch noch das letzte Spezi in der milden Abendsonne trinken konnten.

Aber der Reihe nach: morgens trafen sich an der Brücke Bianca, Suse, Carsten, Dietmar, Jörg, Marcel, Norman, Stefan und meiner Einer.





Nach Kaffee und Brötchen ging es zunächst ein mühsames Stück durch Potsdam, bevor wir in Neufahrland, Marquardt, Paretz und Ketzin endlich Landluft schnuppern durften. Weiter über die Rennstrecke bei Tremmen, Wachow und Bollmannsruh ging es tiefer in das Havelland hinein. Nahe dem Beetzsee bei Molkenberg legten wir einen ersten kurzen Stopp ein.



Danach ging es weiter über die lichtdurchfluteten märkischen Alleen.



Aber die Straßen wurden bald wieder ganz schmal.





In Marzahne drehten wir erneut Richtung Westen und passierten entlang der Havel die Orte Pritzerbe, Tieckow und Briest, bevor wir nach Norden abbogen und über Schlagenthin, Kuxwinkel und Bützer den westlichen Zipfel von Rathenow streiften und dort einen frühen Tankstopp machten.



Wir beschlossen, noch vor dem ersten Tagesziel eine Futterkrippe zu suchen und wurden bald darauf in Schollene am gleichnamigen See fündig. Im "Haus am See" machten wir es uns auf der Terrasse gemütlich.











Die Küche des Hotelrestaurants war ebenso sehr empfehlenswert.



Wir ließen es uns also gutgehen und so fiel die Weiterfahrt dann auch ein wenig schwer.



Aber schon bald, nachdem wir hinter Rehberg, Warnau und Garz die Havellandbrücke



passiert hatten, rüttelten uns die zuweilen etwas holprigen Plattenwege wieder wach.



Etwas im Zick-Zack-Kurs ging es dann ein Stück südlich über Rhinow, Prietzen, Wolsier und Havelaue und dann wieder östlich über Hohennauen nach Semlin. Hier erwartete uns diese Dame:



Das Denkmal erinnert an Anna Roppien, die sich im Jahr 1672 des unsäglichen Verbrechens schuldig machte, unreine Butter verkauft zu haben. Die Haare und die Wolle, die man in der Butter fand, wurden schnell als Teufelszeug identifiziert und die arme Anna konnte leugnen soviel sie wollte aber spätestens die "peinliche Befragung" gab ihr den Rest. Unter der Folter gestand sie ihre Kollaboration mit dem Satan und so landete sie schließlich auf dem Scheiterhaufen. Immerhin etwa 20 Jahre nachdem der Hexenwahn in Deutschland schon vorbei war, fand die letzte Hexenverbrennung im Havelland statt.

Mehr oder weniger andächtig verbrachten wir unsere Pause,



bevor wir wieder die Maschinen anwarfen und entlang des Ferchesarer Sees gen Osten düsten. Über Stechow, Nennhausen, Kotzen und Rhinsmühlen kamen wir auf die B188, der wir bis zur "Kinderautobahn" folgten. Dort legten wir ein heißes Slalom-Tänzchen auf den Asphalt und nutzten den dichten Wald für andere "heiße" Anliegen.



Es ging weiter auf den schmalen Asphaltpisten





und den allseits "beliebten" Plattenwegen,





die uns über Kleeßen, Ohnewitz (tatsächlich sozusagen "ohne Witz"), Bartschendorf, Friesack und Brädikow schließlich nach Wagenitz führten. Hier machten wir Halt am "Schwedenturm".







Mit diesem Gemäuer hatte es folgendes auf sich: der Turm war ursprünglich der frei stehende Küchenbau des Schlosses derer von Bredow in Wagenitz. Die Schlossanlage wurde in den Jahren 1571-87 errichtet. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Wagenitz von marodierenden schwedischen Soldaten heimgesucht, die den Ort plünderten und brandschatzten. Auf Geheiß des Herrn von Bredow wurden die Soldaten gefangen genommen und "in die Weiden gebaumelt", also gehenkt. Wenige Tage später traf ein größerer Trupp schwedischer Söldner ein, die sich bitter rächten: bis auf einen Sohn, der sich in einer Schule in Wittenberge aufhielt, wurde die gesamte Familie von Bredow ausgelöscht und das Schloss niedergebrannt.

Aber das Schloss war auch Schauplatz der zweiten Butterhexen-Story: es geht die Sage, dass der Buttertopf der "Hexe" niemals leer werden konnte und sie stets frische Butter verkaufen konnte. Die Leute waren schon sehr misstrauisch und so legte man sich auf die Lauer. Eines Nachts konnte beobachtet werden, daß aus dem Haus der Frau, in dem "lodernde Feuer tanzten", eine spindeldürre Katze in den Keller des Schlosses schlich. Rund und fett kam sie wieder heraus und lief zurück zum Haus der Hexe und spie dort die frische Milch direkt in den Buttertopf hinein. Das hatte die Leute so aufgebracht, daß eines Tages die alte Frau tot mit "umgedrehtem Halse" in ihrem Haus entdeckt wurde. Natürlich schrieb man diese Tat dem Teufel zu, der sie zu sich geholt habe.

Tja, wir ließen die Geschichte noch ein wenig wirken,



bevor wir uns auf die Schlußetappe machten. Über Paulinenaue, Berge, Markee und Hoppenrade begleiteten uns die vielen Windmühlen



auf unserem Weg.



Schließlich näherten wir uns auf der B273 wieder Potsdam,



das wir tapfer durchfuhren





und über die Glienicker Brücke



schließlich wieder nach Berlin hinein und zur Spinnerbrücke kamen.



Wie gesagt, blieb es den ganzen Tag über sonnig und bis zum späten Abend trocken. Also mit 314 km ein rundum gelungener Sonntag mit netten Leuten und guter Stimmung. Und eigentlich wäre heute ein weiterer Ritterschlag fällig gewesen. Aber mangels Vorrat müssen wir das beim nächsten Mal nachholen.

Bis dahin!

Gruß Ron